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Spitzbergen:

Norwegens echter Norden

Während sich jährlich ca. 200.000 Touristen für den Besuch des Nordkaps auf der Insel Magerøy drängen, liegt Norwegens wirklich nördlichster Punkt 1.000 km nördlicher und in schönster Einsamkeit auf der winzigen Ross-Insel des Spitzbergen-Archipels. Dieser oft vergessene nördlichste Teil Norwegens, mit 63.000 qkm immerhin so groß wie Holland und Belgien zusammen, wird schon seit über 100 Jahren regelmäßig von Seereisen kurz besucht. Spätestens seit Eröffnung des Linienflughafens der Hauptsiedlung Longyearbyen und seit Öffnung der ersten dortigen Unterkünfte 1989 ist Spitzbergen auch für ausführlichere Reisen zugänglich.


Trotzdem ist Spitzbergen eine eigene Welt geblieben: Nur ca. 2500 Menschen leben in dem riesigen Gebiet, konzentriert auf 5 winzige isolierte Ansiedlungen, 4 Stationen und ein paar Trapper. Es gibt keine einzige verbindende Landstraße, noch nicht einmal Pfade oder auch nur Markierungen, keine Hütten für Wanderer. Dafür so weit das Auge reicht (und in der extrem klaren Luft können das durchaus 150 km sein): Berge, Gletscher, Fjorde, weite einsame Täler, grasende Rentiere, ca. 4000 Eisbären, im kurzen Arktissommer Millionen Vögel und immerhin 48 Blumenarten. Eine solch weiträumige, unerschlossene Wildnis wird selbst den erfahrenen Lappland-, Island- oder Westgrönlandreisenden überraschen.


Wir befinden uns hier in echter Arktis: reine Tundra, bis 400 m tiefer Permafrost mit all seinen speziellen Phänomenen, Mitternachtsonne vom 20. April bis 22. August und andererseits, so nah am Nordpol, knapp 4 Monate Polarnacht. Trotzdem sorgt ein letzter Golfstrom-Ausläufer dafür, daß Frost in den Sommermonaten äußerst selten ist und Skandinavienkenner werden zwei Punkte begrüßen: kaum Mücken und wenig Niederschläge - angenehme Wanderbedingungen also. Insgesamt ein Land mit vielen Besonderheiten, die es zu entdecken gilt.


Longyearbyen

die Hauptsiedlung, als Bergwerk 1906 gegründet, ist ein sehr moderner und trotz seiner nur 1000 Einwohner erstaunlich gut ausgestatteter Ort, was viele Besucher überrascht. Ebenso überraschend allerdings: unmittelbar hinter den Häusern beginnt absolut weglose, echte Wildnis und schon auf Tagestouren begegnet man kaum noch einem anderen Menschen. Zur nächsten Siedlung, dem russischen Barentsburg, wären es schon 2-3 Tage über Berge, Flußdurchwatungen, etc., sofern man nicht ein Programm mit Schiffsfahrten dorthin oder zu einer der imposanten Gletscherfronten bucht.


Mögliche Reiseformen

sind Wandern/Trekking (längere Strecken: Zelt), Seereisen mit kleineren Küstenschiffen oder die traditionellen Nordland-Kreuzfahrten, Ortsaufenthalte mit Tagesexkursionen, Paddeln, Klettern. Im Winter/Frühjahr: Skitouren, Hundeschlittentouren, kleinere Wanderungen, Ortsaufenthalte.
Ungünstig/unmöglich: Wandern von Hütte zu Hütte, mountainbike, offroad, Wohnmobil/-wagen (kann in Tromsø geparkt werden). Näheres siehe Spitzbergen-Handbuch.


Aufgrund der besonderen Verhältnisse von Spitzbergens riesiger arktischer Wildnis besuchen selbst eingefleischte Individualreisende die Inselgruppe fast immer mit einem der kleinen Spezial-Reiseveranstalter, denn durch die Flugverbindungen ist die Reise bis Spitzbergen heute zwar einfach, aber sobald man aus Longyearbyen hinaus möchte, gilt dies nicht mehr. Sie können Spitzbergen heute natürlich auch auf eigene Faust bereisen, der Aufwand für eine seriös durchgeführte Individualexpedition ist allerdings beträchtlich und in der Regel hinsichtlich Kosten und Zeitbedarf vor Ort ungleich höher als bei einer vergleichbaren Tour mit Veranstalter. Alle weiter von den Siedlungen wegführenden Touren benötigen eine Genehmigung des Gouverneurs und eine teure Spezialversicherung gegen mögliche Such- und Bergungskosten. Nicht ohne Grund schließen sich ca. 95 % der Besucher einem der Veranstalterprogramme an, wenn die Reise mehr als nur Longyearbyen selbst umfassen soll - ganz im Gegensatz zu Lappland oder Island.


Auch wenn Spitzbergen seit 1920 zu Norwegen gehört, ist die Geschichte der Inseln bis heute sehr international, was sich nicht zuletzt in der Existenz der beiden russischen Siedlungen Barentsburg und Pyramiden, sowie der sehr internationalen Forschungsansiedlung Ny Ålesund (von der dortigen deutschen Koldewey-Station können u.a. aktuelle Klimadaten per Internet abgerufen werden) spiegelt.
Entsprechend finden sich
Reiseangebote nicht nur von den örtlichen Veranstaltern, sondern auch von Spezialisten aus zahlreichen anderen Ländern mit teils sehr langer Spitzbergenerfahrung, während Norwegen den Spitzbergen-Tourismus erst seit 1989 als umweltfreundlichere Alternative zum Kohlebergbau in sehr kontrollierter Form entwickelt.


Hauptsaison ist der Sommer (Ende Juni bis Mitte August), daneben das Frühjahr (Ende März bis Anfang Mai, noch Winter aber ab Mitte April permanente Helligkeit).
Angesichts der Abgelegenheit der Inselgruppe sind Spitzbergenreisen in keinem Falle billig, insbesondere wenn sie feste Unterkünfte (Hotelnacht im DZ mit Frühstück in Longyearbyen ca. nkr 1450,--) und motorisierte Transporte (Tages-Bootsfahrt ca. nkr 1100,--) enthalten. Spitzbergen ist damit ein Reiseziel für überzeugte Nordlandfreunde, nicht für Massentourismus.

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