Weisse Spuren

Høvringen: Langlauf am Fuße des Rondane Gebirges

Ruhig ist es. Sehr ruhig. Und kalt.
Genoss ich am Nachmittag noch die Frühlingssonne in Oslo, so bläst jetzt ein frischer Abendwind über die schneebedeckten Kuppen des Rondane-Gebirges. Der Himmel ist klar, doch Thor lässt das erhoffte Nordlicht leider nicht über das Firmament flackern.

Von Thomas Krämer


Nicht unbedingt spektakulär,aber faszinierend: Langlauf im Rondane-Gebirge


Brummend hält am Morgen das Taxi vor der Tür.
Es soll uns Langläufer zum Ausgangspunkt der Loipe bringen.
Wer jetzt allerdings an einen beigefarbenen Mercedes denkt, liegt falsch.
Stattdessen steht ein rot und blau lackiertes Etwas mit Kufen und Ketten vor der Tür. Roar, der Fahrer dieses Etwas, klärt uns wenig später auf.
»Das Schneemobil habe ich vor zwei Jahren in Kanada gekauft.
Ursprünglich war es einmal ein Schulbus, Baujahr 1937.«
Bis zu 80 Stundenkilometer schnell soll es fahren. Hoffentlich probiert er es nicht aus! Denn als der Innenraum besetzt ist, wird ein Seil am Heck des Fahrzeugs befestigt, und wir dürfen uns daran festhalten.
Los geht´s! Roar fährt an und beschleunigt, die Skier suchen ihren Weg über die fest-gefahrene Schneedecke. Roar muss anhalten.
Die Skier suchten ihren eigenen Weg, der nicht mit dem des Schneemobils übereinstimmte. Zum Glück ist Schnee weich ...

 

Ausblick erster Klasse

Wenig später ist dann Muskelkraft gefragt. Das Schneemobil fährt weiter zur Almhütte Smuksjøseter - Roar ist dort der Chef - unser Weg führt zur Steinbuhø, einem 1.526 m hohen Berg. Anders, unser dänischer Begleiter, versorgt uns noch mit dem richtigen Wachs.
Gemächlich geht es bergauf. Die Schneedecke ist dünn, vereinzelt durchbrechen Flechten das Weiß.
Das Gebiet gehört zu den trockensten Gegenden in Skandinavien. Die meist vom Westen heranziehenden Regenwolken bleiben schon im Jotunheimen oder Reinheimen hängen, so dass für die östlich liegenden Gegenden nicht mehr viel Regen und Schnee übrig bleiben. Wie zum Beweis sind die Gipfel des Jotunheimen, der enfernt am Horizont zu erkennen ist, in Wolken gehüllt, während sich über kurz uns die Sonne zeigt. Aber eben nur kurz.


Das Weiß des Schnees vermischt sich mit der grauen Wolkendecke. Geht es immer noch bergauf? Oder müssen wir uns schon zur Abfahrt bereit machen? Anders zieht den Reißverschluss seiner Jacke nach oben. Noch kurz die Richtung angezeigt und schon geht es abwärts.
Allerdings lässt der harte Schnee keine eleganten Schwünge zu, im Zickzack gleiten wir talwärts. Die Berge ringsherum verschwinden ab und zu im Nebel. Rondane gilt als eine Landschaft, die nicht so sehr durch spektakuläre Schluchten oder steile Berghänge begeistert.
Stattdessen haben die eiszeitlichen Gletscher ein eher sanftes Relief hinterlassen, dass den Wanderer - im Winter noch mehr als im Sommer - in eine eigenartige Stimmung versetzt. Ruhe kann man hier finden, während das Auge die Hänge hinauf und wieder hinabgleitet: Gleichförmigkeit, die begeistert.

 

Lawinengefahr!

Irgendwann taucht aus dem Nichts ein Warnschild auf. »Ein Lawinenhang, von dem sich bei starkem Schneefall immer mal wieder die Schneemassen lösen und ins Tal gleiten«, klärt uns Anders auf.
Doch heute droht keine Gefahr, wie überhaupt Lawinenunglücke im Rondane eher die Ausnahme darstellen.

Dennoch sollte man nie vergessen, dass man im alpinen Gelände unterwegs ist. Plötzlich knarrt es neben uns. Doch eine Lawine? Nein! Gut getarnt im weißen Federkleid macht sich ein Schneehuhn aus dem Staub. »Das ist hier nichts Besonderes«, erklärt Anders. Schneehühner sind nicht die einzigen Lebewesen, die hier ein Auskommen finden.

Der Vielfraß wurde hier auch schon beobachtet. Ebenso Adler. Und Rentiere. Hier lebt sogar der letzte wilde Stamm dieser Tiere in Norwegen. 4.500 Stück sind es, die regelmäßig durch das Rondane-Gebirge ziehen. Ihr Weg führt sie dabei von den Fjellgebieten um Sunndalsøra, wo sie den Sommer verbringen, auf ihre Winterweiden in der Hedmark.
»Noch eine Abfahrt, dann sind wir in Smuksøjseter«, spornt Anders uns an Und diese Abfahrt macht richtig Spaß.
An den nicht so sehr dem Wind ausgesetzten Stellen ist der Schnee weicher, und man kann mehr oder weniger elegant Schwung an Schwung reihen.
Immerhin könnte man ja von der Hütte aus beobachtet werden ...

 

Reiseziel für Engländer und Dichter

Jan ist Lehrer an der Norske Fjellskolen von Høv-ringen. Normalerweise ist er mit Schülern unterwegs und erzählt diesen etwas über die Natur und wie man sich darin verhält.
Heute jedoch hat er sein Klassenzimmer in die rustikalen, holzgetäfelten Räume des Berghotels Brekkeseter verlagert.
»Rondane war 1962 der erste Nationalpark, der in Norwegen eingerichtet wurde«, erzählt er. Doch schon ein knappes Jahrhundert vorher waren die ersten Touristen hier. »Engländer waren es, die in den Almhütten von Høvringen übernachteten und im Fjell unterwegs waren.« Auch Dichter und Maler wie Ibsen, Asbjörnsson und Solberg kamen hierher, um sich von der Atmosphäre und dem besonderen Licht inspirieren zu lassen. Besonders berühmt ist das Bild Mondlicht im Winter von Harald Solberg, das das schneebedeckte Rondane-Gebirge in weißblaue, fast mystische Farben eingetaucht zeigt.

 

Rasante Abfahrt zur Waffel

Über Nacht hat es ein wenig geschneit, die Loipen sind dennoch gespurt.
Unser Ziel sind die Hütten von Puttenseter.

Direkt vor dem Hotel können wir die Langlaufskier anschnallen und in die Spur zum Anaripigg steigen.
Vorbei an einer Husky- Meute, die ungeduldig darauf wartet, endlich den Schlitten über das Fjell ziehen zu dürfen, kommen wir an einer Steigung bald ins Schwitzen: Immerhin müssen wir auf 1.200 m hinaufgleiten. Steil fallen hier die Hänge zum 800 m tiefer gelegenen Gudbrandsdal hinab. In der anderen Richtung verschwinden die Gipfel des Rondane in den Wolken.
Die höchste Erhebung, das Rondslottet, erreicht immerhin 2.178 m.

Das schönste am Aufstieg ist die Freude an der Abfahrt. Das stimmt zwar nicht immer, aber diesmal trifft es zu. Die Loipe führt zwischen Birken sanft abwärts. Voller Vertrauen in die gute Spur lassen wir die Skier laufen und düsen in rasanter Fahrt talwärts.
Beim Öffnen der Tür in die Gaststube von Puttenseter schlägt uns der Geruch von Kaffee und Waffeln mit frischer Schlagsahne entgegen. Es fängt wieder leicht an zu schneien. Aber das ist jetzt egal ...  


Rasante Aussicht auf Rondane: Die Schlittenhunde bestimmen das Tempo.


Info:

Høvringen liegt 300 km nördlich von Oslo am Fuße des Rondane-Gebirges auf rund 1.000 m Höhe.

Die Anreise erfolgt entweder mit dem Auto über die E4, Abzweig kurz hinter Otta nach Høvringen, oder mit dem Zug ab Oslo bis Otta.
Von hier mit dem Linienbus oder dem Hotelbus nach Høvringen. Wer auf Disco und exzessives Nachtleben steht, kann sich die Fahrt nach Høvringen sparen.

Wer allerdings die Ruhe genießen kann, sich abends vor dem Kamin mit einem guten Buch beschäftigen oder zu den Klängen eines Akkordeons über die Holzdielen schweben will, der wird sich hier wohl fühlen.

Die Loipen bieten alle Schwierig-
keitsgrade, und die meist sanften Hänge sind ein ideales Terrain für ausgedehnte Cross-Country-Unternehmungen fern ab jeder Spur.

Touristinformation Otta
Tel. +47-61 23 02 44,
Fax -61 23 09 60
www.hovringen.no

Unterkunft Brekkeseter
Ehemalige Alm aus dem 18.Jh.,Hotel und Hütten, Selbstversorgung möglich.
DNT-Repräsentant.
Tel. +47-61 23 37 11

Haukliseter Fjellstue
Moderner Berggasthof sowie Selbstversorger-Hütten.
Tel. +47-61 23 37 17

Høvringen Fjellstue
Berghotel. Tel. +47-61 23 37 18

Høvringen Høgfjellshotell
Traditionelles Hochgebirgshotel.
Tel. +47-61 23 37 22

Putten Seter
Hütten und Wohnungen mit Kochgelegenheit.
Tel. +47-61 23 30 12

Smuksjøseter Fjellstue
Einfache, komplett ausgestattete Zimmer. Tel. +47-61 23 37 19

 

Loipentipps:

Markierte Routen:
Høvringen - Smuksjøen - Peer-Gynt-Hytta. 9 km, flach und leicht .
Høvringen - Anaripigg - Putten - Høvringen. 11 km lange Tour; kann auch bei schlechtem Wetter genutzt werden.
Høvringen - Steinbuhø - Peer-Gynt-Hytta - Langmyr - Hyövrigen. 22 km, Tour mit Anstiegen und Abfahrten.

Nicht markierte Touren:
Sletthoi: leichte Tagestour
Vassberget: 1.885 m, toller Ausblick
Formokampen: Halbtagestour
Smiubelgen: 1.905 m,Tagestour

Ausrüstung:

Wachs- oder Schuppenskier sind ideal, mit breiteren Cross-Country-Skiern tut man sich abseits der Loipen leichter.
Die Skiausrüstung kann auch vor Ort ausgeliehen werden.
Bei ausgedehnten Touren sollte ein Rucksack mit entsprechender Ausrüstung für das Gebirge nicht fehlen.
Karte und Kompass sollten grundsätzlich in der Hosentasche sein, da das Wetter schnell wechseln kann und die Orientierung dann sehr schwierig wird.

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