Klassik aus dem Norden!


Licht für die Ohren

Nordisches Licht hat nicht nur die Maler Skandinaviens um die Jahrhundertwende zu neuen Landschaftsmotiven angeregt. Auch die Komponisten der Nationalromantik ließen sich von den besonderen Lichtstimmungen des Nordens inspirieren wie Carl Nielsen in "Underlige aftenlufte", Jean Sibelius in "Giv mig ej glans" oder Edvard Grieg zu seiner Frühlingselegie "Våren". Diese und weitere beliebte Werke nationalromantischer Orchestermusik haben die Streicher des Stockholmer Königlich Philharmonischen Orchesters, die unter dem Namen Royal Strings auftreten, unter ihrem Konzertmeister Magnus Ericsson eingespielt. Eine populäre, bunte Mischung, aber gerade deshalb als erste Kostprobe von skandinavischen Klassik-Klängen bestens geeignet. (ms)

Royal Strings/Magnus Ericsson: Nordic Light (BIS CD-1181)


Agathes Töne

Alle kennen Edvard, aber wer kennt schon Agathe? Die Rede ist von Agathe Backer Grøndahl, der einzigen Frau, die im 19. Jahrhundert als namhafte Komponistin und Pianistin in Norwegen Musikgeschichte geschrieben hat. Sie studierte u.a. an der Musikakademie in Berlin sowie bei Franz Liszt in Weimar und konzertiert um 1870 in ganz Skandinavien, später auch in England, wo sie George Bernard Shaw als eine der größten Pianistinnen aller Zeiten betitelte. Auch wenn ihr neben der Konzerttätigkeit und ihrer Familie - mit dem Chordirigenten Olaus Andreas Grøndahl hatte sie drei Söhne - die Zeit fürs Komponieren knapp wurde, hinterließ sie ein Opus von über 400 Liedern und Klavierstücken. Wie ihre berühmten Vorbilder und Lehrer Chopin und Liszt verlangt sie in ihren sechs Etüden (Opus 11) flinke Finger, fordert virtuose Brillanz heraus und setzt dann wieder überraschend schlichte, lyrische Passagen dagegen, die einem milden Sommerwind gleichen. "Trois morceaux" hingegen ist elegante Salonmusik im Stil ihrer Zeit, während die Suite aus Opus Reminiszenzen an die Tanzmusik des 18. Jahrhunderts erweist. Insgesamt ein äußerst beeindruckendes Spektrum von musikalischer Ausdruckskraft, die der norwegische Pianist Geir Henning Braaten ebenso gelungen zu Gehör bringt. (ms)

Agathe Backer Grøndahl/ Geir Henning Braaten: Piano Music (BIS CD-1106)


Virtuos und diabolisch

Virtuos und diabolisch Liszt gespielt von einem jungen Norweger, kann das gut gehen? Und wie! Besonders wenn der Pianist Leif Ove Andsnes heißt. Der gerade mal dreißig Lenze alte Norweger, dessen Einspielung des 1. Klavierkonzerts von Brahms bereits preisgekrönt wurde, hat nun eine Auswahl von Walzern, der Dante-Sonate und anderen Stücken für Solo-Klavier von Franz Liszt vorgelegt, denen bei allen musikalischen Unterschieden eins gemeinsam ist: Sie sind allesamt virtuos gespielt. Glutvoll arbeitet Andsnes das diabolisches Element der Mephisto-Walzer heraus, hüpft wieselschnell über die Tasten und lässt die Arpeggien perlen, um schließlich berückend schön und schlicht zugleich die Elegie über "Die Zelle in Nonnenwerth" dahinzutupfen. Ein Geschenk des Himmels, nicht nur für Franz Liszt, dessen Geburtstag sich zum 190. Mal jährt. (ms)

Leif Ove Andsnes/Liszt: Piano Recital (EMI Classics 5-57002-2)


Bacchus, Branntwein und Bellmann

Ewiger Bruder Bellman. Kein skandinavischer Liederabend ohne die Lieder und Gedichte des schwedischen Dichters Carl Michael Bellman (1740-1795). Eine nicht mehr ganz taufrische Interpretation ist uns unlängst auf den CD-Spieler gesprungen. Der Hamburger Schauspieler, Sänger und Gitarrist Andreas Frye trägt mit großer Ausdrucksstärke und viel Witz die deutschen Bellman-Übersetzungen von H.C. Artmann und Michael Korth vor. Begleitet von Klarinette, Violoncello, Querflöte und Horn singt, brüllt, flüstert er von Schlafmütz Movitz, Bier- und Weintrunkenheit und natürlich Bellmans Alter Ego Fredman.Bequem lässt sich so ein intensiver Liederabend in die eigenen vier Wände holen. Doch Fryes Stärke liegt ganz sicher im unterhaltsamen Liveauftritt. Wer die Chance zu einem solchen hat, sollte sich's nicht entgehen lassen. Nächster Termin: Ernst-Deutsch-Theater, Hamburg, 30. September 2001 (aktuelle Hinweise unter www.lyrixx.de). (sc)

Andreas Frye singt Vivat Bellman!: Lieder von Carl Michael Bellman
(Lyrix LCD 980826A)

Erhältlich bei:
Lyrix, Mathildenstraße 8, 20357 Hamburg, Tel./Fax 040 - 43 91 565

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