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 »Ich
will Norweger werden ...«
Ein schönes Buch. Ein
Buch für Skandinavienfreunde, Horst Janssen-Fans und Bibliophile gleichermaßen.
Im September 1971 reiste Horst Janssen mit »Chofföse« Gesche und Auto
»Volvi« durch Norwegen, Finnland und Schweden. Seine Eindrücke hielt
der Maler in unspektakulären Skizzen in Pastelltönen fest: Seen, Fjorde
und auch der trostlose Ausblick auf den Busbahnhof in Rovaniemi. Der
Charme dieses Buchs liegt jedoch ebenso sehr in seinen Tagebuchnotizen,
die mal liebevoll, mal ironisch von seinen Erlebnissen erzählen. Vieles
erkennt der Nordlandreisende heute noch mit einem Schmunzeln wieder:
die Liebe des Norwegers zum individuellen Heim (»... der Norweger streicht
sein Haus gern ein bißchen anders an als sein Nachbar«) oder seine Gelassenheit:
»Vor der zweiten Fähre eine Stunde Zeit - warten kann man hierzulande
nicht sagen.« Fotografien sowie Janssens Briefe an Freund und Publizist
Joachim Fest reichern den Band an. In nachdenklichem, teils auch humoristischem
Ton erzählt Janssen von der Reise und erinnert sich an seine Kindheit.
Im Postscriptum macht die damalige Reisebegleiterin Gesche Tietjen klar,
dass Janssens Unbeschwertheit nicht ganz zufällig war: ein Mittel gegen
Angstzustände war sein Begleiter. Doch davon ist dem heiteren Buch nichts
anzumerken. »Man jubiliert in Norwegen deswegen eher nach innen«, schreibt
Janssen über die Weite der Landschaft. Jubilieren kann auch der Leser
- über dieses Buch. (sc)
Horst
Janssen: Skandinavische Reise.
Alexander Fest Verlag 2001, DM 38, sFr 35, ISBN 3-8286-0157-X
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Ärger mit Mama
Ohne
Zweifel: Ob Sohn oder Tochter, das Verhältnis zur eigenen Mutter
prägt einen das ganze Leben. Doch ob jede Frau mit Anna-Leena Härkönens
neuem Roman etwas anfangen bzw. sich mit ihrer 33-jährigen Protagonistin
Asta identifizieren kann? Astas Mutter wirkt als Figur arg konstruiert.
Eine klammernde Mama, die nicht akzeptierten kann, dass ihre Tochter
ihr eigenes Leben führt und der das Ansehen der Familie bei den
Nachbarn wichtiger ist als das Befinden der Tochter. Dazu ein lieber,
doch farbloser Papa sowie ein prügelnder Ehemann, von dem sich
Asta zu Beginn der Erzählung frisch getrennt hat - gerade wenn
man denkt, der Klischees sind genug, setzt Härkönen noch eins
drauf: Abtreibung, Selbstmordversuch nach dem Abitur, Depressionen ...Mag
sein, dass Härkönen mit der jungen Regieassistentin Asta im
jungen Helsinki den Zeitgeist des neuen finnischen Frauentyps getroffen
hat; zeitweilig ist es auch interessant, wie Asta fast selbstquälerisch
innere Kämpfe mit ihrer Mutter austrägt, um schließlich
die direkte Konfrontation zu wagen. Doch was zu viel ist, ist zu viel.
(sc)
Anna-Leena
Härkönen: Herzstechen. Aus dem Finnischen von Dagmar
Mißfeldt.
Klett Cotta Verlag 2001, DM 39,50, sFr 36,50, ISBN 3-608-93227-5
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 Skuriller
Sommer
Der Titel klingt geheimnisvoll:
»Jener Sommer in Island«. Was war in jenem Sommer? Eine Dichterin
kommt in einen namenlosen Ort eines namenlosen Fjordes. Die Dichterin
beobachtet und wird fündig. Nicht alle Geschichten mögen wahr
sein, aber alle sind möglich: Eine Frau sucht verzweifelt ihren
Hund; ihr Mann hilft ihr nur unwillig. Die ältere Schwester besucht
die jüngere Schwester, die den Vater im Rollstuhl hin- und her
schiebt. Eine Frau backt Dutzende von Kuchen für ihre Kinder, die
längst auf die andere Seite der Insel gezogen sind. Im Gemeindehaus
spielt die Band »Die Bauerntrampel« Songs wie »An der
Küste brennt jeder Dussel seinen Fusel«. Der Sohn des Pfarrers
bedient sich derweilen schon mal am Messwein.
Es sind skurille Geschichten,
die Gunnarsdóttir erzählt, bedrückende und zuweilen
brutale Geschichten. Und kein Troll verzieht verschmitzt den Mund und
keine Elfe lässt versöhnlerisch ihre Kräfte walten.
(Frank Keil)
Elín
Ebba Gunnarsdóttir: Jener Sommer in Island. Aus dem Isländischen
von Karl-Ludwig Wetzig.
Suhrkamp Verlag 2000, DM 16,90, 16 sFr, ISBN 3-518-12163-4
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Australische Schlangenbisse
Es
geht um den Tod. Durch Schlangen. Durch Killer. Durch kosmische Katastrophen.
Doch Larsens stimmungsdichter Wissenschafts- und Militärthriller
hat einen doppelten Boden: Es geht zugleich um Medizintechnik und Evolutionsgeschichte,
um Chaostheorie und Telepathieforschung. Eine Kriminalhandlung also,
deren intelligente Theorie- und Faktenfülle dem Leser hohe Allgemeinbildung
abfordert. Wer sich Larsens Verkopftheit gewachsen zeigt, wird jedoch
mit sensibler Emotion wie mit harter Action belohnt. Sorgsam recherchiert
- und sorgsam komponiert. Der Schauplatz: Australien. Der hollywoodreife
Plot: Speed, Speed, Speed. Da ist eine Powerfrau, die am Ende ein Kind
rettet, während die Welt nur knapp ihrem Untergang entgeht. Da
sind wahnverwirrte Söldner, die sich als Staatsmacht tarnen. Da
sind zynisch sadistische Psychofolterer, die im Verborgenen Kalte Kriege
führen ...
Der Mensch, bestätigt
uns Larsens Showdown so chiffrehaft wie universalverständlich,
ist des Menschen Wolf. Immer. Und überall. (Harff-Peter
Schönherr)
Michael
Larsen: Im Zeichen der Schlange. Aus dem Dänischen von Ingrid
Glienke.
Carl Hanser Verlag 2000, DM 39,80, sFr 38,30, ISBN 33-446-19913-6
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 Afrikanische
Blicke
Er hat den einen Fuß
auf dem afrikanischen Sand und den anderen im schwedischen Schnee. Der
in Mosambik lebende Henning Mankell ist davon überzeugt, dass er
ohne diesen doppelten Blick nicht schreiben könne. In seiner Krimi-Reihe
hat er nur in »Die weiße Löwin« auf den schwarzen
Kontinent geschaut. Wie der Roman »Der Chronist der Winde«
belegt, hätte er das öfter tun sollen. Denn Mankell vermag
eindrückliche Bilder des Lebens in Afrika zu zeichnen. Das Straßenkind
Nelio liegt mit einer Schusswunde irgendwo in einer afrikanischen Stadt.
Er weiß, sobald er seine Geschichte erzählt hat, muss er
sterben. In legendenhaftem Ton berichtet er dem Bäcker José
von seinem gebrandschatzten Heimatdorf, von Einsamkeit und Hunger. Er
spricht aber auch von Mandioca, der Zwiebeln in seinen Taschen wachsen
lässt, vom Gott in der Mülltonne und vom Theater, einem Ort
der Angstlosigkeit. Bis zu seinem Tod in der neunten Nacht besitzt Nelio
die Stärke, all jene Fragen zu stellen, die die Unergründbarkeit
des Lebens umkreisen. José, vom Schicksal des Straßenkindes
angerührt, bleibt danach nur noch eines: Er macht sich auf, um
beständig das Leid der Benachteiligten zur Sprache zu bringen.
Entgegen Mankells Gewohnheit schwingen keine weltverbesserischen Ratschläge
mit. Um wachzurütteln, hat er sich eines wirksameren Stilmittels
bedient: des Grotesken. Die Grausamkeit von Nelios Erlebnissen stehen
in krassem Gegensatz zu seiner sanften Art der Schilderung. »Der
Chronist der Winde« ist ein Roman, von dessen Art man sich von
dem Wahlafrikaner Mankell mehr wünscht. (Marion Kohler)
Henning
Mankell: Der Chronist der Winde. Aus dem Schwedischen von Verena
Reichel.
Zsolnay Verlag 2000, DM 36, sFr 34,80, ISBN 3-552-04981-9
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Ins Mittelalter spioniert
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spannenden Spionage-Thrillern um den Agenten Coq Rouge hat sich der
Schwede Jan Guillou jahrelang einen Namen gemacht. Nun legte er erstmals
einen historischen Roman aus der Kreuzfahrerzeit vor und vermag auch
auf diesem Gebiet überzeugend und packend zu erzählen. Im
Mittelpunkt seines neuen Romans steht das Schicksal des jungen Arn Magnusson
aus dem Adelsgeschlecht der Folkungar, der 1150 als Knabe in ein Zisterziensterkloster
geschickt wird, nachdem seine Mutter Sigrid eine Vision hatte. Seine
neuen Lehrmeister unterrichten ihn nicht nur in der Auslegung der Heiligen
Schrift, sondern auch in der Kunst des Schwertkampfes, denn es ist die
Zeit der Kreuzzüge, während der halb Europa das Heilige Land
von gottlosen Sarazenen befreien will. Durch eine tragische Liebesgeschichte
wird auch der junge Arn zum Tempelritter verurteilt. Der zweite Teil
der Romanserie ist unter dem Titel »Die Büßerin von
Gudhem« soeben erschienen. (ms)
Jan Guillou:
Die Frauen von Götaland. Aus dem Schwedischen von Hans-Joachim
Maass.
Piper Verlag 2000, DM 39,80, sFr 37, ISBN3-492-04145-0
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 Gutbürgerliches
Schweden
Es ist der geliehene
Pelzmantel des besten Freundes, der seine Ehefrau zum unfreiwilligen
Geständnis der Untreue verleitet, und es ist die zart aufkeimende
Liebe zur hübschen Pastorsgattin, die Doktor Glas zum nie entdeckten
Mord an ihrem abgrundtief verhassten Gatten verführt. Die Sujets
des schwedischen Fin-de-siècle-Autors Hjalmar Söderberg
(1869-1941), die im Sammelband »Die Spieler« in der wunderschön
aufgemachten »Anderen Bibliothek« kürzlich neu aufgelegt
wurden, sind auch nach hundert Jahren ein Lesegenuss. Mit seiner »Flaneursliteratur«,
präzise eingefangenen Stimmungsbildern aus der gutbürgerlichen
Gesellschaft Stockholms, lakonisch gezeichneten Porträts von jungen
Männern auf der Suche nach Liebe, Lebensglück und Lebensssinn,
schrieb sich Söderberg in die schwedische Literaturgeschichte ein,
auch wenn er zu Lebzeiten als Skandalautor in Verruf geriet. Eine Wiederentdeckung
lohnt sich! (ms)
Hjalmar
Söderberg: Die Spieler. Aus dem Schwedischen von Günter
Dallmann und Helen Oplatka.
Eichborn Verlag 2000, DM/sFr 49,50, ISBN 3-8218-4184-2
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