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Im
Vergleich zu den beiden anderen baltischen Staaten liegt ganz
Litauen unter 300 m Höhe. Der Kalnas ist mit 292 m die höchste
Erhebung. Aber Litauen ist nicht nur das flachste, sondern mit
65.200 km² auch knapp das größte der drei Länder. Seit Ende der
90er-Jahre hat die Wirtschaft im südlichsten baltischen Land einen
erheblichen Aufschwung bekommen. Mit den Verhandlungen über den
EU-Beitritt, der schließlich im Mai 2004 erfolgte, soll sich die
Lage weiter verbessern. Da Litauen die Schnittstelle zwischen
West und Ost darstellt und die Lohnkosten relativ niedrig sind,
finden sich auch leicht ausländische Investoren. Der Lebensstandard
hinkt dem wirtschaftlichen Aufschwung allerdings noch etwas hinterher.
Mit Hilfe der EU-Fördergelder soll unter anderem ein besseres
soziales Netz aufbaut werden.
Vilnius
(600.000 Ew.). An der Stelle, an der die Vilnia in die Neris
fließt, liegt die Hauptstadt Litauens. Da Litauen im späten Mittelalter
sich mit Polen verbündete, leben auch heute noch viele Polen in
Vilnius. In der Altstadt gibt es eine Vielzahl von Kirchen. Besonders
sehenswert sind die St. Annen- und die Bernhardiner-Kirche,
St. Peter und Paul und natürlich die Kathedrale St.
Stanislaus. Letztere ist im Stil eines griechischen Tempels
gebaut. Der Sockel des nebenstehenden 52 m hohen Glockenturms
gehört zur ehemaligen Stadtbefestigung.
Hinter der Kathedrale erhebt sich der Burgberg. Hier befindet
sich die Obere Burg, das Burgmuseum und der Gediminas-Turm. Am
Fuß des Berges sind Reste der Unteren Burg zu sehen. Die Hauptader
der Neustadt ist der Gedimino prospektas. Hier reihen sich
zahlreiche Cafés, Restaurants, Kaufhäuser, Kioske und kleine Verkaufsstände,
an denen man nahezu alles bekommt, aneinander. Nur 25 km östlich
der Hauptstadt, inmitten einer malerischen Seenplatte, liegt die
Inselburg Trakai. Das rote Backsteingebäude im Galve-See
gehört zu den meist fotografiertesten Sehenswürdigkeiten im Baltikum.
Die alten Gemäuer aus dem 14. Jahrhundert zeugen von dem ehemals
mächtigen Großfürstentum Litauen. Der Ort Trakai besteht
hauptsächlich aus kleinen Holzhäusern und eignet sich gut als
Ausgangspunkt für Ausflüge rund um die Seenplatte.
Kaunas
(413.000 Ew.). Die zweitgrößte Stadt des Landes ist Industriezentrum,
Universitätsstadt und mit zahlreichen Schauspielhäusern und Museen
auch ein kulturelles Zentrum. Das Glanzstück von Kaunas ist sicher
das Rathaus. Den Namen ››Weißer Schwan‹‹ verdankt das Gebäude
dem nachträglich ergänzten 53 m hohen Turm. Das Rathaus wurde
im 16. Jahrhundert erbaut und immer wieder verändert und ergänzt,
so dass es heute mit Frühklassizismus, Gotik, Barock, Rokoko und
Renaissance mehrere Baustile in sich vereint. Die Altstadt stammt
hauptsächlich aus dem Mittelalter, mit schmalen Straßen und hübsch
renovierten Häusern. 20 km südöstlich von Kaunas, in dem Städtchen
Rumšiškes, befindet sich ein ethnographisches Freilichtmuseum.
Ebenso wie das Land Litauen ist es in die vier verschiedenen Bereiche
Dzukija (Südlitauen), Aukštaitija (Nordostlitauen), Suvalkija
(Südwestlitauen) und Žemaitija (Westlitauen) unterteilt. Dargestellt
i st
das Leben der litauischen Bauern und Handwerker von der Mitte
des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Neben alten Gehöften,
die an ihrem Ursprungsort ab- und hier wieder aufgebaut wurden,
sieht man Pferdekutschen und Menschen in den zugehörigen Trachten.
Am Wochenende finden Konzerte und traditionelle Tänze statt.
Nahe der Stadt
Druskininkai, die ganz im Süden des Landes kurz vor der
Grenze zu Russland liegt, befindet sich der Gruto Parkas.
Nach der Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1990 wurden die riesigen
Skulpturen der ehemaligen Machthaber demontiert. Der Millionär
Viliumas Malinauskas sammelte die übermannsgroßen Ausgaben von
Lenin, Stalin, etc. und eröffnete vor fünf Jahren den Park. Heute
sind dort über 90 Statuen aufgestellt. Malinauskas möchte sowohl
die Erinnerung an die sowjetische Unterdrückung aufrecht erhalten,
als auch Unterhaltung bieten.
Der wohl bekannteste
und auch mit der schönste Teil des Landes ist die Kurische
Nehrung an der Ostsee. Über Jahrtausende hinweg hat sich vor
der litauischen Küste eine 92 km lange Insel aus Sand abgelagert.
Hier findet man die höchsten Dünen Europas, lange Sandstrände,
Schilfwiesen, Kiefern- und Birkenwälder. Dazwischen liegen kleine,
romantische Fischerdörfer. Das hinter der Nehrung liegende geschützte
Haff eignet sich hervorragend für Radtouren. Das Gebiet wurde
2000 zum Weltkulturerbe ernannt. Aber die Kurische Nehrung ist
schon seit langem ein beliebter Ferienort: Im Süden der Halbinsel,
in dem kleinen Ort Nida (dt. Nidden) hat sich der deutsche
Schriftsteller Thomas Mann auf einem Hügel ein Ferienhaus errichten
lassen. Dort verbrachte er von 1930 bis 1932 die Sommermonate.
Die Aussicht seines zeitweiligen Domizils nannte er ››Italienblick‹‹,
da sie ihn an das Mittelmeer erinnerte. 1967 wurde in dem Haus
ein Museum eingerichtet und seit einigen Jahren wird es auch als
Kulturzentrum genutzt.
Nahe der Stadt
Šiauliai erhebt sich der Kryžiu Kalnas, der Berg
der Kreuze. Das Meer von Kreuzen verschiedenster Materialien und
Größen ist ein wichtiger Pilgerort der gläubigen Litauer. Die
russische Besatzung zerstörte die Stätte einige Male, jedoch ohne
Erfolg: Nur wenige Tage später ragten schon wieder Kreuze in die
Höhe. Für Litauen-Urlauber ist dieser Berg ein absolutes Muss!
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